Zum ersten Mal nach der Wiedervereinigung trafen sich im April 1990 auf dem Ost-West-Frauenkongress Aktivistinnen aus Ost- und Westdeutschland, um sich über Themen wie Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Freiheit auszutauschen. Aber: Meinten damit alle das Gleiche? In ihrer Abschlussarbeit, die mit dem Genderpreis der Universität Greifswald 2025 ausgezeichnet wurde, zeigt Isabell Sperke, wie unterschiedliche Perspektiven und Sozialisierung aufeinanderprallten – und dass der Kongress, trotz der großen Unterschiede, einen wichtigen Raum für Begegnung und produktives Miteinander eröffnete.
Der Genderpreis wird jährlich vom Rektorat und der Zentralen Gleichstellungsbeauftragten verliehen und ist mit 500 Euro dotiert. Gewürdigt werden exzellente wissenschaftliche oder künstlerische Abschlussarbeiten, die die Geschlechterperspektive in besonderer Weise berücksichtigen und zur Geschlechterforschung beitragen.
Die Universität Greifswald hat Isabell Sperke mit dem Genderpreis 2025 ausgezeichnet. Frau Sperke erhält die Auszeichnung für ihre Abschlussarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien im Fach Geschichte, die von Prof.in Dr. Annelie Ramsbrock betreut wurde. Ihre Arbeit trägt den Titel „Von ‚Muttis‘ und ‚Emanzen‘ – weibliche Rollen im deutsch-deutschen Wiedervereinigungsprozess“.
“In ihrer Untersuchung setzt sich Isabell Sperke, die von 2018 bis 2025 an der Universität Greifswald Geschichte und Geografie studiert hat, mit dem Wiedervereinigungsprozess auseinander. Sie zeigt auf, welche Konflikte zwischen westdeutschen Aktivist*innen und ostdeutschen Frauen auf dem Ersten Frauenkongress im April 1990 ausgetragen wurden. Dabei macht die Arbeit deutlich, dass ostdeutsche Perspektiven im Austausch häufig marginalisiert wurden. Zugleich arbeitet Sperke heraus, dass der Kongress trotz großer Unterschiede einen wichtigen Raum für Begegnung, Austausch und ein produktives Miteinander eröffnete.” - Jenny Linek