Naima Tiné, M.A.

Die Geburt der modernen Welt. Reproduktionsmedizin und Kapitalismus um 1900

Ausgehend von der These, dass die Rationalisierung und Standardisierung der ökonomischen Produktionsweise im 19. und frühen 20. Jahrhundert ihr gesellschaftspolitisches Pendant in der Medikalisierung der biologischen Reproduktionsweise fanden, untersucht das Promotionsprojekt die Entstehung und Entwicklung von Gynäkologie und Geburtshilfe um 1900 sowie Debatten um Reproduktion innerhalb Arbeiter*innenklasse. An der Schnittschnelle von Arbeits-, Körper- und Medizingeschichte angesiedelt, wird Reproduktion als eine spezifische Form der Arbeit begriffen, die im Zuge medizinischer Professionalisierungen um den weiblichen Körper herum neu justiert und organisiert wird. Welchen Einfluss diese Entwicklung konkret auf die Organisation des Kinderkriegens hatte, ist die leitende Frage des Projekts. Inwieweit wurde die Figur der Patientin neu entworfen, inwieweit die des Arztes, und die der Hebamme? Wie veränderte sich der medizinische Blick auf den schwangeren Körper, wie auf den Vorgang der Geburt und dessen konkreten Ablauf, aber auch auf den Ort des Gebärens? Inwieweit lässt sich mit der Verschiebung der Hausgeburt zum Geburtshaus eine Vergeschlechtlichung der Raum(-Aufteilung) beobachten? Welche Rolle spielte Reproduktionsmedizin für Arbeiterinnen und wie wurde sie politisch verhandelt? Aus welcher Machtposition und mithilfe welcher Mittel werden Reproduktionsvorgänge durchgesetzt, beeinflusst und angeeignet aber auch verhindert? Schließlich: Inwieweit repräsentiert die Geburt des Einzelnen die Geburt der modernen Welt an der Schwelle zum 20. Jahrhundert?

naima.tineuni-greifswaldde

 

Jakub Aleksander Ramelow

Die Militärischen Hinterlassenschaften der Sowjetunion in Polen: Zeugnisse der Unterdrückung oder erhaltenswertes Kulturerbe?

Das Dissertationsprojekt hat es sich zum Ziel  gesetzt, die in der heutigen Gesellschaft Polens existierenden Erinnerungs- und Erbekultur bezüglich der dortigen sowjetischen Militärhinterlassenschaften sowohl in ihrer gesellschaftlichen als räumlich-materiellen Dimension anhand  exemplarisch ausgewählter Objekte zu untersuchen und miteinander in Beziehung zu setzen. In den Mittelpunkt rückt dabei die Frage, wie das militärische Erbe der Sowjetunion in Polen wahrgenommen und behandelt wird.
Mit Hilfe von vor Ort befragten Zeitzeugen sowie soziologischer und kulturwissenschaftlicher Konzepte, wie etwa der wissenssoziologischen Diskursanalyse und dem Konzept des kollektiven Gedächtnisses, soll die gesellschaftliche Konzeption und Semantisierung dieser Hinterlassenschaften untersucht werden.
Die räumlich-materielle Dimension, welche  die heutige Nutzung, den gegenwärtigen physischen Zustand der Objekte sowie derzeit stattfindende als auch bereits abgeschlossene räumliche Veränderungen diesbezüglich beinhaltet, sollen durch die Auswertung von  Satellitenaufnahmen sowie von vor Ort getätigten Foto- und Videoaufnahmen erfasst und dokumentiert werden.

https://phil.uni-greifswald.de/institute/einrichtungen/ifzo/forschungsphase-fragmentierte-transformationen/geteiltes-erbe/

jakub.ramelowuni-greifswaldde

Ingo Löppenberg, M.A.

"Im Auftrag Seiner Majestät" - Expeditionen im Kalkül preußischer Wissenschaftspolitik, 1815-1880

Das Dissertationsvorhaben beschäftigt sich mit den wissenschaftlichen Ansprüchen von und der Hebung des Prestiges des Staates durch preußische Forschungsreisen. Ziel ist es sowohl die von den Expeditionen berührten natur- und geisteswissen-schaftliche Fächer einerseits als auch die von ihnen ins Visier genommenen regionalen, nationalen und transnationalen Räume andererseits, zu erfassen. Anhand umfangreicher archivalischer Quellen, soll dadurch insgesamt ein breites Panorama der Forschungsexpeditionen entstehen und ihre Bedeutung als Schlüsselinnovation innerhalb der Forschungstechniken, die Wissen produzieren, für das 19. Jahrhundert herausgearbeitet werden. Daneben bildet die Untersuchung des Verhältnisses von Wissenschaft und Staat einen zweiten Fokus der Studie. Anhand der Finanzierungsfrage sollen die endogenen und exogenen Faktoren der Wissenschaftsförderung aufgezeigt werden.

ingoloeppenberg2009webde

Jan Mittenzwei

Zwischen Region und Regime. Die NSDAP in Pommern, 1922-1945

Die Arbeit geht von der Annahme aus, dass der politische Erfolg der NSDAP während der Weimarer Republik bereits wesentlich in der regionalisierten Arbeitsweise der Parteigaue begründet war und anschließend organisatorisch in die Regimephase übernommen wurde. Die Fortsetzung der regionalen Organisationsstruktur der „Kampfzeit“ wurde nach 1933 zu einem entscheidenden Instrument für die Transformation und fortschreitende Radikalisierung des NS-Staates. Von wesentlicher Bedeutung für diese Arbeitsweise waren hierbei verschiedene institutionelle Kommunikations- und Koordinationsforen, in deren Zentrum die Gauleiter-Tagungen standen. Dort wurden die grundsätzlichen Entscheidungen der NS-Führung nachverhandelt und in regionale Politik übersetzt. Das vorliegende Projekt geht somit davon aus, dass die NS-Gaue mehr als nur Befehlsempfänger zentraler Behörden waren und fragt, in welchem Umfang die regionalen Parteiinstanzen eigene – politisch-administrativ abgesicherte - Spielräume für individuelle Entscheidungen besaßen. Untersucht wird, welche staatlichen Kompetenzen sich die pommersche NSDAP – vertreten durch Gauleiter, Gau- und Kreisleitung – in der inneren Verwaltung sowie in den Bereichen der Gesundheitsfürsorge und Volkswohlfahrt, Bildung und Wissenschaft, Wirtschaft und Justiz aneignen konnte. Darüber hinaus wird die Beteiligung und Initiative der pommerschen NSDAP bei den nationalsozialistischen Großverbrechen, insbesondere in Hinblick auf die Morde an den psychisch Kranken und geistig Behinderten in der Provinz sowie bei der Deportation und Ermordung der pommerschen Juden analysiert. Schließlich wird erörtert, inwiefern wir in Bezug auf den Gau Pommern von einer neuen NS-spezifischen Staatlichkeit sprechen können.

jan.mittenzweigooglemailcom

Sophie Schifferdecker, M.A.

Deutsche Widerstandskämpfer in der französischen Résistance

Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, eine umfassende Arbeit über den deutschen Widerstand innerhalb der französischen Résistance vorzulegen. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen dabei erstens darin, das Profil der Widerstandskämpfer zu ermitteln. Zweitens wird untersucht welche Gruppen sich unter den Deutschen im Exil bildeten, wie diese beschaffen waren und in welcher Beziehung sie zur französischen bzw. internationalen Résistance standen. Der dritte Schwerpunkt der Arbeit besteht darin, die Handlungen dieser Gruppen zu analysieren. Es wird ermittelt, welche Strukturen die Deutschen aufbauten und wie sie ihre Erfahrungen, ihre Sprache und ihre Herkunft nutzten, um in Frankreich Widerstand zu leisten. Es schließt sich viertens die Frage nach der Integration der Deutschen in die Résistance an. Hier wird geklärt, wie und warum es möglich war, Deutsche in diesen Kampf aufzunehmen, obwohl sie Vertreter der Feindnation waren und wo die Grenzen einer solchen Integration verliefen.

Sophie.Schgmxde